ObsessionTzulan444 • 10 hours ago
Mit etwas Verzögerung darf der Hypefilm des Jahres auch bei uns starten. Die Ausgangssituation ist absolut nichts Neues. Ein Wunsch geht schief und der Wünscher muss mit den Konsequenzen leben. Alles schon zigmal gesehen. Was macht Obsession dann so besonders? Es ist die grandiose Atmosphäre, die hier erzeugt wird. Das Verwenden von toller Beleuchtung, wunderbaren Sets, authentischem Sound und das Umschiffen üblicher Horror-Standards sorgen dafür, dass der Film nicht im Horror-Einheitsbrei untergeht, sondern nicht zuletzt wegen seines geringen Budgets geradezu daraus hervorsticht.
Regisseur Curry Barker versteht es einfach hervorragend, wie Szenen durch perfektes Timing von vorhersehbar und langatmig zu spannend und atemberaubend mutieren. Dazu trägt auch Inde Navarrette erheblich bei. Durch ihr beinahe manisches und brillant sprunghaftes Spiel gelingt es ihr, nahezu jede Szene zu dominieren. Sie wirkt übergroß, trotz ihrer gerade mal 152 cm Körpergröße. Michael Johnston dürfte es als ihr Gegenpart nicht schwergefallen sein, derart verängstigt zu spielen, wie er es ausgezeichnet macht.
Gegen Ende des Films hätte es meinem Geschmack nach noch etwas mehr eskalieren können. Das meiner Ansicht nach trotzdem ziemlich gelungene Ende kommt nämlich recht abrupt. Ich hätte einfach noch viel länger zuschauen können, wie Bear an seinem Wunsch zerbricht. Zum Glück wurde auf jegliche Erklärungen verzichtet. Der Wunsch ist ein Wunsch, der funktioniert. Nicht mehr, nicht weniger. Beim halbwegs vergleichbaren Together wurde mit dem Holzhammer eine Erklärung erfunden, die den Film für mich leider sehr entmystifizierte. Das ist bei Obsession erfreulichwerweise nicht der Fall. Hier sind die Umstände einfach mal gegeben.
Die Bildqualität kann ich nicht beurteilen, da alles grau war. Im Ravensburger Kino waren die Lichtverhältnisse durch diverse Notausgangsschilder alles andere als optimal. Was ich sagen kann, ist, dass das verwendete 4:3-Format nervt. Natürlich soll das die Enge der Beziehung unterstreichen, mir wäre es aber lieber gewesen, mehr von den tollen Settings zu sehen.
Der Ton konnte mich trotz 08/15-Kino wirklich begeistern. Was hier an Dynamik aufgefahren wird, ist bemerkenswert. Dadurch, dass Obsession auch sehr leise kann, wirken die lauten Spitzen umso beängstigender. Aus direktionaler Sicht konnte der Sound ebenfalls überzeugen. Mal flüstert Nicki vorne rechts, dann kreischt es von links hinten und plötzlich wird man völlig umschlossen vom stellenweise terrorisierenden Sound. Da könnte ein Leckerbissen fürs Heimkino anstehen.
Man kann sich angewidert wegdrehen in Anbetracht des Social-Media-Hypes und herumnöllen, was denn diese ganzen unflätigen, jungen Leute im Kino machen. Oder man freut sich einfach, dass es Curry Barker mit neuen Methoden in Sachen Filmemachen und auch Marketing gelingt, Menschen ins Kino zu bringen, sie sich für einen Film begeistern. Ich hype mit diesen Menschen gerne mit. Einige davon dürften so etwas vom Kino aus noch nie erlebt haben. Jahre später werden sie sich noch daran erinnern, wie ihnen damals vor der großen Leinwand ein Jumpscare für die Geschichtsbücher das Herz in die Hose rutschen ließ. Vielmehr als das Schaffen von Szenen die, die Zeit überdauern kann man von einem Film nicht erwarten.
Ich wünsche mir, dass Curry Barker sich selbst treuer bleibt als allem anderen!